Friedensreich Hundertwasser
Farbintensiver Utopist

Ökologie trifft Kunst: Der Wiener Künstler und Architekt ging mit organischen Formen und Umweltschutzvisionen neue Wege.

Friedensreich Hundertwasser war ein Künstler, Architekt und Umweltaktivist. Schon früh fiel sein außergewöhnlicher Sinn für Farben und Formen auf. Trotz der Schrecken des Zweiten Weltkriegs zeichnete und malte der Junge märchenhafte Landschaften mit satten Farben, herrlichen Wäldern und paradiesischen Welten. Nach einem kurzen Studium an der Wiener Akademie entwickelte er in den 1950er Jahren seinen unverwechselbaren Stil: organische Formen, leuchtende Farben und die Spirale als zentrales Motiv. Ab den 1970er Jahren widmete er sich verstärkt der Architektur, schuf über 40 Bauwerke weltweit und setzte sich für Dachbegrünung, „Baummieter“ und eine naturverbundene Bauweise ein.

Hundertwasser sah Kunst als Lebensphilosophie

Nachhaltigkeit war für ihn kein Trend, sondern Lebensprinzip: Der Künstler lebte selbst recht bescheiden, nutzte erneuerbare Energie und entwickelte alternative Recyclingkonzepte nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit, bevor es zum Trend wurde. Er pflanzte auf seinen Reisen an die 100.000 Bäume, nutzte Wasser- und Sonnenenergie in seinen Refugien, installierte Humustoiletten und Biotope. Zahlreiche Poster gestaltete er zur Unterstützung von Organisationen wie Greenpeace und die Jacques-Cousteau-Gesellschaft. Viele seiner Farben fertigte Hundertwasser nach eigenen Rezepten an und machte sich grundsätzlich viele Gedanken zum Platz des Menschen im Kreislauf der Natur – bis zu seinem Tod im Jahr 2000, wo er in Neuseeland nach eigenem Wunsch seine letzte Ruhestätte unter einem Baum fand.

Friedensreich Hundertwasser
geboren:15. Dezember 1928 in Wien
gestorben:19. Februar 2000 an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Elizabeth 2
Bürgerlicher Name:Friedrich Stowasser
Beruf:Maler, Architekt, Öko-Visionär, Umweltaktivist
Rückzugsorte:Wien, Waldviertel, Normandie, Venedig, Neuseeland

Das KUNST HAUS WIEN gilt als das erste „Grüne Museum“ Österreichs.

Hundertwassers Werke auf einen Blick

Auf den Spuren von Friedensreich Hundertwasser

Der Künstler und seine Vision einer „humanen Architektur“

Die nüchterne, geradlinige Nachkriegsarchitektur war dem sinnlich empfindenden Künstler ein Greuel. Er fand Inspiration in der geschwungenen, farbenfrohen Architektur des Katalanen Antoni Gaudί, aber auch beim französischen Autodidakten Facteur Cheval.

Hundertwasser war überzeugt, dass die gerade Linie, der rechte Winkel, der ebene Fußboden, die sterile Regelmäßigkeit der Fenster Elemente seien, die dem Wesen des Menschen nicht entsprechen und ihn geradezu krank machten.

Gebäude sind, nach Hundertwassers Auffassung, nach der Epidermis und der Kleidung die dritte Haut des Menschen. Dementsprechend sollte der Mensch individuell gestalterisch auf seine Wohnung Einfluss haben können.

Das erste „Grüne Museum“ Österreichs

Bäume, die aus den Fenstern wachsen? Eine fröhlich aufgelockerte Fassade? Ein echter Wald und Bienenstöcke auf dem Dach? Ein Innenbereich ohne Ecken und Kanten und ein wunderbar begrünter Innenhof? Das 1991 geschaffene Museum Hundertwasser – KUNST HAUS WIEN lädt zum Kunstgenuss. Hundertwassers Traum von einer Oase in der Großstadt ist Wirklichkeit geworden. Ganz im Sinne des Künstlers war es eine Wiederverwertung eines bereits bestehenden Gebäudes, einer aufgelassenen Möbelfabrik der Firma Thonet.

Durch ihre Bemühungen, sowohl im Ausstellungsprogramm als auch im operativen Bereich nachhaltig zu agieren, wurde der Kulturinstitution 2018 das Österreichische Umweltzeichen verliehen. Das KUNST HAUS WIEN ist somit das erste „Grüne Museum“ des Landes und führt die kritische Auseinandersetzung Hundertwassers mit der Rolle des Menschen im Kreislauf der Natur zukunftsorientiert weiter.

140.000 Bienen fliegen auf Hundertwasser

Hoch über den Dächern Wiens summt es: Auf dem Dachgarten des KUNST HAUS WIEN leben zwei Bienenvölker mit rund 140.000 Honigbienen. Diese Initiative knüpft direkt an die ökologische Vision Friedensreich Hundertwassers an, der Natur und Architektur stets als Einheit betrachtete. Die begrünte Fassade, der Dachgarten und über 260 verschiedene Pflanzenarten bieten den Bienen einen idealen Lebensraum. Obstbäume wie Apfel, Birnen und Nuss sowie Lindenbäume spenden Nahrung, während die Museumsbegrünung die Artenvielfalt in der Stadt stärkt.

Imker Thomas Zelenka kümmert sich um die Bienen, die jährlich rund 80 Kilogramm Bio-Honig liefern. Neben Honig sind auch Bienenprodukte wie Kerzen oder Lippenbalsam im Museumsshop erhältlich. Als erstes „Grünes Museum“ Wiens setzt das KUNST HAUS WIEN Hundertwassers Ideen konsequent fort – ein lebendiges Beispiel für nachhaltige Stadtnatur und gelebten Umweltschutz.

FAQs

Friedensreich Hundertwasser wurde als Friedrich Stowasser geboren.

Er wählte seinen Künstlernamen, indem er 1949 die Silbe „Sto“ aus seinem bürgerlichen Namen Stowasser übersetzte. „Sto“ bedeutet in mehreren slawischen Sprachen „hundert“, wodurch der Name „Hundertwasser“ entstand. Seinen Vornamen „Friedensreich“ leitete er später aus seinem Taufnamen Friedrich ab, wobei er die Begriffe „Frieden“ und „reich“ kombinierte, was seine Hingabe an den Frieden widerspiegelte.

In Österreich sind diese Bauwerke am bekanntesten:

  • Hundertwasserhaus (Wien)

  • KUNST HAUS WIEN (Wien)

  • Rogner Bad Blumau (Steiermark)

Friedensreich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 in Wien, als einziges Kind des Ingenieurs Ernst Stowasser und seiner Ehefrau Elsa, geboren.

Friedensreich Hundertwasser starb am 19. Februar 2000, auf der Fahrt von Neuseeland nach Europa, an Bord des Kreuzfahrtschiffes Queen Elizabeth 2.

Sein Grab befindet sich auf einem privaten Grundstück in der Nähe der Stadt Kawakawa in Neuseeland.

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